Graphologie


Wörtlich bedeutet Graphologie „Schriftkunde“. Im engeren Sinne wird unter „Graphologie“ die Psychodiagnostik, Persönlichkeitsermittlung oder Charakterkunde aus der individuellen Handschrift der schreibenden Person verstanden.

Voraussetzungen:

  1. Genau Kenntnis der Entstehungsbedingungen der individuellen Handschrift:
    • geschichtlich
    • schreibtechnisch
    • bewegungsphysiologisch
    • durch Lernen und Übung
    • psychisch
  2. Zum Zustandekommen der Schrift bedarf es:
    • Schrifturheber mit individueller Motorik,
    • Verwendung eines vom Schrifturheber erlernten Zeichensystems,
    • Schreibfläche/Schriftraum,
    • Schreibgerät (Feder, Kugelschreiber, Bleistift, Pinsel etc.),
    • Schriftträger (Papier, Karton, Stoff, Wand, Wachs, Ton),
    • Schreibpaste/Pigment (Tinte, Tusche, Farbe, Paste).
  3. Exakte Ermittlung und Registrierung der Schriftmerkmale:
    • Materialkritik:
      • äußere Schreibumstände
      • innere Schreibumstände,
      • biographische Daten des Schreibers,
      • schreibtechnische Besonderheiten.
    • Aufnahme des graphischen Tatbestandes:
      • in jeder Schrift vorkommende und immer zu registrierende Einzelmerkmale,
      • in jeder Schrift vorkommende und immer zu registrierende Ganzheitsmerkmale oder übergreifende Befunde,
      • nicht in jeder Schrift vorkommende und nur fallweise zu registrierende Schriftbesonderheiten

1) und 2) sind für die forensische Handschriftenuntersuchung wie für die psychodiagnostische Graphologie gleichermaßen bedeutsam und erfolgen auf ähnliche Weise. Die Handschrift ist das gemeinsame Untersuchungsmaterial für psychodiagnostische Graphologen und forensische Schriftsachverständige. Wo nun in der psychodiagnostischen Graphologie die charakterologische Bedeutungsableitung und -findung beginnt, erfolgt in den Schriftexpertisen an ihrer Statt der forensische Handschriftenvergleich.

So wie Körperhaltung, Gestik und Mimik den psychischen Zustand einer Person ausdrücken, so ist auch die Handschrift mehr oder weniger unbewusst Ausdruck der psychischen Befindlichkeiten und Haltungen eines Schreibers. Auch die Schrift ist Körpersprache. Die Interpretation der Schriftmerkmale auf ihre zugrunde liegenden psychologischen Haltungen und charakterlichen Eigenschaften folgt spezifischen Deutungs- und Auslegungsregeln. Graphologie ist also Schriftpsychologie – und hat den Vorteil, dass die Untersuchungsperson nicht speziell zu einem Test geladen werden muss.

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